Der baut ja nur…

Dein Kind beschäftigt sich auch nur mit seinen Lieblingsbeschäftigungen und wechselt nur selten die Spielecken im Kindergarten? All die Lesemäuse, Künstler, Architekten, Schmusekatzen und Schauspieler haben unfassbare Lernerfolge und sind Experten in ihren Spielgruppen. Warum Kinder sich auf ihre Lieblingsbeschäftigungen konzentrieren ist eigentlich ganz einfach zu erklären. Du kannst es dir sogar selbst beantworten. Wie? Wir Erwachsenen haben alle einen Beruf, den wir fast täglich ausüben. Wechseln wir diesen Beruf ständig? Eher nicht oder? So ist das bei den Kindern auch. Sie sind mit ihrem „Beruf“, also der Spielecke zufrieden und daher wechseln sie nur selten zu anderen Spielmöglichkeiten, obwohl sie jeder Zeit zugänglich sind. Es ist also eigentlich gut, dass sie ihre Interessen stärken. Natürlich gibt es auch Kinder, die man in allen Spielecken wiederfindet. Das ist natürlich genauso gut. Jedes Kind hat seinen ganz eigenen Plan, wann es sich wie weiter entwickelt und es wird sich das suchen, was es dafür braucht. In diesem Blog-Beitrag werde ich dir nun erzählen, was dein Kind in der KiTa lernt. Wo findet man dein Kind am häufigsten?

Findet man dein Kind hauptsächlich auf dem Bauteppich? Super!
Auf dem Bauteppich ist immer ordentlich was los und der meist besuchte Ort. Dort entwickelt dein Kind seine motorischen Fähigkeiten weiter und wird zu einem Architekten, der Plant, ausprobiert und umstrukturiert. Dein Kind lernt auch mathematische Erkenntnisse zu sammeln, zu testen und zu verinnerlichen. Es sortiert die Gegenstände nach bestimmten Merkmalen, wie Farbe, Größe oder Form, ordnet diese dann oder räumt sie in die passende Kiste und lernt die Formen kennen. Durch das anschließende Aufräumen erlangt dein Kind Verantwortungsbewusstsein. „Mein Turm ist größer, als deiner.“ Zudem lernet es zu zählen und erweitert sein Zahlenwissen. Dein Kind versteht, dass man mit Zahlen eine bestimmte Anzahl oder Menge ausdrücken kann. Die Zahl 1 ist wenig. Aber 1 Millionen ist ganz schön viel! Es lernt sogar Rechnen. Dein Kind kann im Vorschulalter bis zu 20 Objekte zusammenfassen und dadurch die Gesamtanzahl erkennen. interessiert sich für die technischen Zusammenhänge und erforscht seine Konstruktionen. Dadurch werden das Wissenschaftliche Denken und das räumliche und dreidimensionales Vorstellungsvermögen geschult. Warum fällt der Turm um, wenn die unteren Steine dünner und kleiner sind, als oben? Der soll doch stehen bleiben. Um das zu erreichen, braucht es Problemlösestrategien, die es täglich entwickelt und sie lernt anzuwenden. Manchmal gibt es sogar für ein Problem gleich mehrere Problemlösemöglichkeiten. Durch kleine Probleme knüpft dein Kind auch soziale Kontakte zu anderen Kindern und übt sich in Frustrationstoleranz. Absprachen mit anderen Kindern zu treffen und sich auszutauschen gehört hier zum Alltag. Dein Kind lernt mit anderen Kindern zurechtzukommen und gemeinsam zu bauen. Dadurch lernt es auch die Sprache schneller, als durch professionelle Sprachförderungen. Spielen ist Sprachförderung pur!

Findet man dein Kind hauptsächlich am Maltisch? Super!
Die Grob-und Feinmotorik ist natürlich, neben der Fantasie, das am meist geschulteste Gebiet beim Malen. Die Muskulatur in der kleinen Kinderhand trägt entscheidend dazu bei, ob das Bild aus feinen, leichten, groben oder kräftigen Strichen besteht. Dadurch werden die Voraussetzungen für das spätere Schreiben geschaffen. Dein Kind lernt saubere Striche und Linien zu zeichnen, wodurch es mit komplizierten Buchstaben keine Probleme haben wird. Das Schreiben ist wie eine Erweiterung des Malens. Dein Kind wird im Vorschulalter seinen Namen schreiben wollen. Das ist ein wichtiger Schritt. Man sagt, dass Kinder, die ihren Namen schreiben können ihr Ich weitestgehend gefunden haben und darauf aufbauen möchten. Die Koordination von Hand und Auge wird natürlich auch geschult. Es ist schließlich nicht gerade einfach, den Tast- und Sehsinn miteinander zu verknüpfen. Die Freisetzung der Kreativität steigert auch das Selbstbewusstsein. „Du hast da über die Linie gemalt!“ Es lernt mit Kritik umzugehen und übt sich in Frustrationstoleranz, da nicht alles immer so funktioniert, wie es sich dein Kind wünscht. Es hat Mut, um etwas Neues auszuprobieren und ergreift die Eigeninitiative, um ein Kunstwerk zu erstellen. Auch das soziale Miteinander kommt hier nicht zu kurz. Manchmal entstehen gemeinschaftliche Basteleien. „Kannst du mir die Rot geben?“ So entstehen Dialoge am Tisch, wodurch auch die sprachlichen und sozialen Kompetenzen gestärkt werden. Der unordentlich gemachte Maltisch und die benutzten Materialien muss dein Kind anschließend wieder wegräumen. Dadurch lernt es Verantwortung zu übernehmen.

Findet man dein Kind hauptsächlich in der Rollenspielecke? Super!
Dein kleiner Regisseur und Schauspieler hat schon einiges zu tun. Dein Kind überlegt sich eine Handlung, „Wir spielen Mutter, Vater, Kind, Hund, ja?“ und entscheidet die Rollenverteilung mit. „Ich bin der Papa!“ Dafür ist eine Absprache erforderlich und es entstehen manchmal auch schon kleine Konflikte. Dein Kind gewinnt dabei sprachliche und soziale Kompetenzen hinzu. Wenn bei der Rollenverteilung keine Konflikte entstehen, treten sie meist im Spiel selbst auf. Dann braucht es Konfliktlösestrategien und erprobt dabei oft die Lösungsmöglichkeiten, die seine Rolle, die es aus dem echten Leben kennt, anwendet. Dein Kind ist im Vorschulalter bereits im Stande seine Rolle für eine gewisse Zeit durchzuhalten und sogar in solchen Situationen weiter zu spielen. Die Rollenspiele stammen oft aus der Welt der Erwachsenen und spiegeln Alltagssituationen wieder. Dabei entwickeln sie Verständnis für Erwachsene. Denn Mama und Papa haben ganz schön viele Aufgaben und eine Menge zu tun. Dein Kind schlüpft in die verschiedensten Rollen. Mal ist es der Vater oder die Mutter, der Feuerwehrmann oder Polizist, die Erzieherin oder ein Haustier. Dadurch nimmt es verschiedene Sichtweisen ein und lernt die Welt mit anderen Augen zu sehen. Es ist also in der Lage sich in andere hineinzuversetzen. Das nennt man auch Einfühlungsvermögen oder Empathie-Fähigkeit.

Findet man dein Kind hauptsächlich beim Lesen? Super!
Deine Lesemaus trainiert seine Sprachfähigkeiten, erweitert seinen Wortschatz, bildet und vertieft Begrifflichkeiten, schult seine Feinmotorischen Fähigkeiten beim Umblättern, erkennt eigene Situationen wieder und wird in seiner emotionalen Entwicklung gefördert. Es gibt Bücher, in denen es um realistische Ereignisse geht. Wenn dein Kind Situationen aus seinem eigenen Leben wiedererkennt, kann es sich gut in die Situation hineinversetzen und sich mit den Figuren identifizieren und einfühlen. Dadurch wird die Empathie-Fähigkeit gesteigert. Dein Kind fühlt sich durch diese Geschichten verstanden und wird durch Vorschläge für mögliche Problemlösungen entlastet und ermutigt. Durch das Lesen von realitätsfremden Büchern, wird die Fantasie angeregt, der Horizont erweitert, Humor entwickelt und ein Abschalten ermöglicht. Mit Hilfe von Sach- oder Wissensbüchern, wird das Wissen erweitert und die Neugierde, die Wissenslust und der Forscherdrang gestillt oder geweckt. In Vorlesestunden kann dein Kind sich dann austauschen und trifft meist auf Verständnis. Wenn dein Kind eher alleine „ließt“, erfindet es selbst Geschichten oder lässt eine bereits kennengelernte Geschichte noch einmal Revue passieren.

Findet man dein Kind hauptsächlich in der Entspannungs- oder Kuschelecke? Super!
Kleine Schmusekatzen sind oftmals Denker und Träumer, die viel innerlich verarbeiten und still lernen. Durch das stille Nachdenken sortiert dein Kind neue Erkenntnisse und stellt Hypothesen auf oder löst sogar reale Probleme gedanklich, um sie dann später zu erproben. Die Kuschelecke wird aber auch schnell zur Tobe-Ecke, in der es alles andere als still ist. Das nutzt dein Kind, um aufgestaute Energie loszuwerden. Dann muss es meist die Kuschelecke verlassen, da es ein Ort der Ruhe ist. Dein Kind wird eine neue Spielmöglichkeit austesten und zu einem späteren Zeitpunkt zur der Entspannungs- oder Kuschelecke zurückkommen, um die neu gewonnenen Erkenntnisse zu verarbeiten, gedanklich zu erweitern und einzuordnen. Manchmal verlässt es den Ruheort auch selbst und tobt sich aus eigener Initiative heraus aus. Dein Kind kennt sich selbst besser, als die meisten anderen Kinder, da es sich oft mit sich beschäftigt. Da es sich selbst versteht, kann es sich auch in andere Kinder hineinversetzen. Vielleicht wird es nicht immer sichtbar handeln. Aber in seinen Gedanken ist es immer aktiv und lernt!

Findet man dein Kind hauptsächlich bei den Gesellschaftsspielen? Super!
Neben dem Spaßfaktor, befindet sich dein Kind in Gesellschaft, sodass seine sozialen Kompetenzen gefördert werden. Es lernt Regeln einzuhalten und übt sich in Frustrationstoleranz. „Ich hab gewonnen!“ Dadurch wird das Selbstbewusstsein gesteigert und durch das Erleben von Gewinnen und Verlieren, lernt dein Kind sich in andere hineinzuversetzen, sodass es weiß, wie es sich in welcher Situation verhalten sollte. Manchmal entwickeln Kinder auch für kennengelernte Spiele neue Regeln, wodurch ihre Fantasie angeregt wird. Auch die Sprachförderung findet hier von selbst statt, da sich die Kinder miteinander unterhalten, um im Spiel voran zu kommen. Dein Kind erwirbt Durchhaltevermögen und weiß, dass es anschließend aufräumen sollte. Es ist also die optimale Vorbereitung auf die Grundschule. Dort muss man auch seine Hausaufgaben beenden und sich konzentrieren und anschließend aufräumen. Beim Spielen der Gesellschaftsspiele entstehen oft auch kleine Notlügen. Der Würfel fällt vom Tisch und landet mit der Zahl 1 nach oben. Doch statt dies zuzugeben, sagen viele Kinder: „Juhu! Das war eine 6!“ Lügen ist zwar gesellschaftlich gesehen nicht gut und sollte auch nicht toleriert werden, dennoch sind solche kleinen Notlügen positiv für die kindliche Entwicklung. Kinder, die Notlügen einsetzen, sind ziemlich schlau, da sie die Realität so verändern können, dass sie sich zum positiven wendet. Sei es für sie selbst oder ein anderes Kind. Und sein wir mal ehrlich. Ist es nicht egal, ob dort eine 1 oder 6 zu sehen war?

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