Emotionen

In unserem Gehirn laufen zahlreiche Prozesse zu jeder Tageszeit ab. Selbst in der Nacht arbeitet es auf Hochtouren. Unsere Emotionen werden durch unsere Wahrnehmungen ausgelöst. Hierbei ist jedoch noch unklar, ob unser Gehirn diese bewusst steuert oder dem Vorgang hilflos ausgesetzt ist. Höchstwahrscheinlich ist es jedoch so, dass unser Gehirn wahrgenommene Informationen, die in einer Situation aufgenommen werden, verarbeitet und einordnet, um passende Handlungsschritte einleiten zu können. Wenn ihm dann auffällt, dass die Wahrnehmungen mit vergangenen Situationen Ähnlichkeiten aufweisen, beginnt es diese Informationen erneut abzurufen. Unsere Erinnerungen sind eng mit Emotionen verknüpft, wodurch sie ebenfalls mit abgerufen werden und unsere Handlungen stark beeinflussen.

Und nun dreht sich alles um die Gefühlswelt der Kinder. Denn alles, was sie erleben, wird sie in ihrem weiteren Leben beeinflussen und wir können dazu beitragen, ob dies positiv oder negativ stattfindet. Um das zu erreichen, werden wir nun die emotionale Entwicklung des Kindes näher betrachten. Kinder müssen lernen mit ihren eigenen Gefühlen und denen von anderen umzugehen. Darum geht es im Großen und Ganzen beim Erwerben von emotionalen Kompetenzen. Die eigenen Gefühle lernen sie verbal und nonverbal zu äußern (Emotionsausdruck), zu verstehen (Emotionsverständnis), je nach Situation zu akzeptieren, zu verarbeiten, zu verstecken oder vorzutäuschen (Emotionsregulation), um sich dann in die Gefühlslage anderer hineinversetzen zu können. Diese Fähigkeit wird auch Empathie oder Einfühlungsvermögen genannt. Die Kinder können mit dieser Fähigkeit die Emotionen der anderen Menschen erkennen, erzeugen, bewerten und angemessen darauf reagieren. Gleichzeitig werden vor allem auch soziale Kompetenzen mit gestärkt, da diese Entwicklungsbereiche eng zusammenarbeiten. Damit wir das Kind optimal dabei unterstützen können, schauen wir uns nun an, wie die emotionale Entwicklung genau von statten geht.

Emotionale Meilensteine

kurz nach der Geburt:

  • zeigt Freude, Angst oder Interesse durch Weinen, Anlächeln oder Beobachten
  • deutet und ahmt Emotionen der Bezugspersonen nach, indem es zum Beispiel zurück lächelt
  • es tut dies jedoch noch nicht bewusst

Säuglingsalter

  • ist darauf angewiesen, Bedürfnisse gestillt zu bekommen, da es noch keine eigenen Strategien zur Emotionsregulation, -ausdruck und -verständnis besitzt

Kleinkindalter

  • da sich der Wortschatz erweitert, lernt es sich auch bereits emotional auszudrücken „Mama, Papa lacht.“, „Oh, Baby weint.“
  • drückt seine Emotionen mit Nachdruck, wie zum Beispiel bei Wut mit hauen und schubsen, aus. Es macht dadurch erste Erfahrungen mit sozialen Regeln und lernt seine Emotionen immer besser zu regulieren
  • es vermischt seine Gefühle und die der anderen und weint daher oft auch, wenn andere weinen
  • kann zwischen emotionalen Erlebnissen und dem emotionalen Ausdrücken unterscheiden und lernt seinen Gesichtsausdruck zu bewusst einzusetzen
  • die „Trotzphase“ beginnt, weshalb es Hilfestellungen bei, aus gesellschaftlicher Sicht, besseren Strategien braucht

Kindergartenalter

  • kann seine eigenen Gefühle nun gut erklären und lernt sie zu reflektieren
  • entwickeln eigene Strategien, um mit negativen Gefühlen umzugehen (ablenken, Konflikten aus dem Weg gehen, usw.)
  • brauchen noch Hilfestellungen durch Spenden von Trost und Lösungsvorschlägen
  • Empathie-Fähigkeit hilft beim Knüpfen von Freundschaften
  • Unterscheiden zwischen eigenen und fremden Gefühlen

Vorschul- und Schulkindalter

  • können feste Freundschaften schließen und pflegen
  • haben nonverbale und verbale Emotionsausdrücke
  • können sich in andere hineinversetzen, und dadurch Kompromisse eingehen
  • sie können ihre Gefühle anpassen und kontrollieren
  • und negative Gefühle akzeptieren und sich mit ihnen auseinandersetzen

Jugendalter

  • Verbesserung von Emotionsausdruck, Emotionsverständnis, Emotionsregulation und Empathie

Wie wir Erwachsenen sie unterstützen können:

  1. Vorbildfunktion: lasst eure eigenen Gefühle, sowohl positive, als auch negative, zu.
  2. Gefühlslage des Kindes ernst nehmen und nicht kleiner oder unbedeutend machen. Setzt eure Kinder nicht unter Druck, wenn sie emotional überfordert sind, sondern benennt ihre Gefühle und sprecht für sie, bis es das selbst übernimmt. „Du bist jetzt sehr wütend, weil du keine Schokolade haben darfst. Das verstehe ich. Wir können es aber gerade nicht ändern…“
  3. Strategiefindung: die Emotionsregulation ist ein Prozess, den man direkt an den vorherigen Punkt anknüpfen kann: „… Stattdessen können wir aber einen Apfel essen. Du darfst dir einen aussuchen. Welchen Apfel hättest du denn gerne?“
  4. Gewalt ist keine Lösung: Hierbei ist es jedoch nicht gerade empfehlenswert nur den Satz „Es wird nicht gehauen!“ zu verwenden. Das Kind braucht auch ein alternatives Angebot, das es nutzen kann. Eine Beispielsituation könnte so aussehen: ein anderes Kind möchte eurem Kind den Ball nicht abgeben und deshalb haut euer Kind zu. Daraufhin könnt ihr folgendes sagen, während ihr euch auf Augenhöhe des Kindes begibt und nicht von oben herab sprecht: „Wir hauen niemanden, sondern fragen nach.“ Dann kann man das andere Kind ansprechen: „Möchtest ihr euch den Ball zurollen?“
  5. Selbstwahrnehmung durch kleine Angebote schulen. Ihr könnt zum Beispiel Bücher über die Emotionen lesen oder mit einem Spiegel schauen, wie man glücklich und traurig aussieht
  6. Freundschaften knüpfen: Kontakt zu Gleichaltrigen Kindern ist schon sehr früh wichtig, damit sie lernen sich in andere hineinzuversetzen

Kinder sind von Natur aus glückliche Wesen. Leider verlernen sie diese Eigenschaft von Jahr zu Jahr. Wir sollten darauf achten, dass die Kinder diese Kunst beibehalten und wir uns diese Eigenschaft abschauen und ebenfalls wieder erlernen. Ihr Geheimrezept lautet:

1. „Genieße den Moment. Gedanken aus, Gefühle an.“

Das bedeutet: Wir sollten mehr fühlen. Über morgen und gestern nachdenken ist natürlich auch wichtig, aber im hier und jetzt leben ist von großer Bedeutung. Unsere Kinder haben genau das richtige Maß an denken und fühlen. Sie verknüpfen es aktiv miteinander. Sie sammeln neue Erfahrungen durch das Ausleben ihrer Emotionen und dadurch lernen sie sich und ihre Umwelt besser kennen. Wir können sie unterstützen, indem wir jedes Gefühl ernst nehmen und bei Unsicherheit eine haltende Hand, offenes Ohr und/oder großes Herz bieten.

2. Grundbedürfnisse stillen

Wenn ihre Grundbedürfnisse gestillt sind, wie zum Beispiel satt, ausgeschlafen, geliebt und warm, sind Kinder oft schon glücklich und zufrieden, da sie weniger Sorgen haben. Zufriedene Kinder sind auch glückliche Kinder.

3. Glück geschenkt bekommen

Wir als Eltern, Großeltern, Babysitter und Co. haben bestimmt auch Glück an sie bereits verschenkt. Die zwei größten Geschenke sind Zeit miteinander verbringen und Kuscheltiere als Begleiter. Zeit miteinander ist denke ich selbst erklärend. Aber ein Kuscheltier?! Denkt einmal an eure Kindheit. Viele von euch hatten bestimmt ein Kuscheltier und einige werden damit eine besondere Bindung haben. Mein Bär war zum Beispiel überall dabei. Beim Zahnarzt, im Kindergarten, bei meiner ersten Übernachtung, im Zoo, und an noch vielen weiteren Orten. Mit diesem Teddy teile ich also mein Glück und glücklich sein in vielen Momenten.

Ein Tipp für die Erwachsenen:

überlegt heute Abend mal, was euch heute glücklich gemacht hat. Wenn ihr das in einem kleinen Notizbuch aufschreibt und das jeden Abend macht, merkt man schnell, wie oft man eigentlich glücklich ist. Es ist wie ein Mini-Tagebuch. Das Ganze kann man noch steigern, indem man aufschreibt, was man für eine gute Tat vollbracht hat. Die Pfadfinder Leben zum Beispiel nach der Moral: „Jeden Tag eine gute Tat“. Das macht ebenso glücklich und zufrieden. Wem das zu aufwendig ist, darf natürlich auch einfach nur darüber nachdenken.

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