Pikler

Allgemeine Infos
Dieses Handlungskonzept wurde nach der aus Wien stammenden Kinderärztin Emmi Pikler, die von 1904.1984 lebte, benannt. Sie ist vor allem für Kleinkinder geeignet, da Emmi Pikler sich oft auf dieses Alter bezieht.

Ziele
Das Kind erlangt Autonomie, ein Körper- und Gesundheitsbewusstsein, erwirbt Beziehungs- und Teamfähigkeiten und zeigt Selbstverantwortung.

Bild vom Kind
Das Kind entwickelt sich, laut dieser pädagogischen Grundhaltung, in seinem eigenen Tempo und nicht nach einem Plan. Was das Kind tut, macht es so richtig und genau zu seinem perfekten Zeitpunkt. Somit ist jedes Kind individuell und sollte auch so behandelt werden. Die Bedürfnisse gilt es zu stillen und jedes Kind ist für eine Zeit lang der Mittelpunkt der Welt. Das heißt, dass jedes Kind das Recht darauf hat, ganz wichtig zu sein und auch die volle Aufmerksamkeit bekommen kann.

Lernverständnis
Besonders wichtig ist die Pflege, da hier eine innige Kommunikation und eine innige Beziehung entsteht, die das Kind braucht, um sich gesund entwickeln zu können. Kleinkinder, die von Anfang an mit in den Alltag einbezogen werden, fühlen sich sicherer und entwickeln sich dadurch freier. Das Wickeln ist also ein fester Bestandteil des Lernens. Und so könnte es aussehen:
Das Kind darf sich selbst eine frische Windel und die Feuchttücherpackung nehmen. Dann klettert es über eine Kindertreppe auf den Wickeltisch. Der Erwachsene fragt: „Möchtest du dir die Hose allein ausziehen?“ Das Kind legt die Windel und die Feuchttücherpackung auf die Wickelunterlage und versucht den Knopf der Hose zu öffnen. „Brauchst du etwas Hilfe von mir?“ Das Kind schüttelt mit dem Kopf. Es versucht es weiterhin alleine. „Sagst du mir Bescheid, wenn ich dir doch helfen soll? Ich bin für dich da.“ Das Kind zeigt auf den Erwachsenen und dann auf den Knopf. Das scheint das Zeichen zu sein. „Ich darf dir jetzt also helfen?“ Das Kind nickt. Der Erwachsene öffnet den Knopf. Den Reisverschluss kann das Kind schon selbstständig öffnen. Auch die Hose kann es allein ausziehen. „Gut gemacht!“ Das Kind freut sich über das Lob und legt sich auf den Rücken… Wie man hier erkennen kann, hat der Erwachsene viel Geduld, Zeit und Einfühlungsvermögen für das Kind. Wie würden wir uns als Erwachsene fühlen, wenn wir einfach ausgezogen werden? Wenn wir es nicht allein können, möchten wir zumindest selbst bestimmen, wann uns jemand helfen darf und auch wer. Den Kindern geht das genauso.
Weitere Kernelemente, neben der Pflege, sind Bewegung und Spielen. Die Erwachsenen sind bei der autonomen Bewegung kommunikativ, geben Geborgenheit und sorgen vor allem für eine Umgebung, in der sich das Kind selbstständig bewegen kann, sodass man als Erwachsener nicht mehr eingreifen und auf Gefahren achten muss, sondern sich voll und ganz für die Situationen der Kinder begeistern kann. Beim Spielen wird darauf Wert gelegt, dass es frei stattfindet und genügend Spielmaterialien, passend zum jeweiligen Interesse des Kindes, vorhanden sind. Es gibt keine bestimmten Funktionsspielzeuge, sondern frei experimentierbare Alltagsgegenstände.

Tagesablauf
Da die Kinder alle individuell gesehen werden, ist auch der Tagesablauf für jedes Kind anders und täglich neu. Es existieren keine festen Essens- oder Schlafenszeiten. Die Kinder werden beobachtet und bei wahrgenommenen Signalen wird entsprechend reagiert. Wenn ein Kind gähnt, kann man es fragen, ob es schlafen möchte. Bestätigt es diese Aussage, kann man mit ihm in den Schlafraum gehen. So ist es auch mit allen anderen Bedürfnissen.

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