1. Klasse

Die Aufregende Einschulung ist geschafft und das erste Schuljahr beginnt. Konzentriert Aufgaben lösen, still sitzen bleiben, zuhören können und aktiv mitarbeiten muss noch gelernt werden. Der Lehrplan besteht hier deshalb nicht nur aus den einzelnen Fächern, sondern auch aus Lernmethoden, Spiel und Spaß. Die ersten drei Monate sind für die Kinder besonders wichtig und sind entscheidend für die gesamte Schullaufbahn. Schule kann tatsächlich Spaß machen! Aber darauf kommen wir später zurück. Wir starten zunächst mit den Inhalten der Fächer. Ich habe mich dazu entschieden, die Lehrpläne der Bundesländer zu vergleichen und daraus dann die Gemeinsamkeiten herauszuschreiben. Dein Kind lernt also in Wahrheit noch viel mehr! Die erste Klasse besteht aus folgenden Fächern: Deutsch, Mathematik, Religion und Ethik, Heimat und Sachunterricht, Musik, Kunst und Sport. In vielen Grundschulen gibt es zusätzlich auch schon das Fach Englisch, das eigentlich erst ab der dritten Klasse eingeführt wird.

Deutsch
Das ABC wird durch Bilder, Lieder und Spiele erlernt. Die einzelnen Buchstaben erhalten eine Bedeutung für die Kinder, damit sie sich schneller einprägen und nicht mehr nur als Linien bestehen. Das Schreiben wir nicht in der Reifenfolge A-Z gelehrt. Es geht vielmehr um die Schwierigkeit der Buchstaben. Der erste Buchstabe ist daher meist das „O“. Die einzelnen Buchstaben werden dann zu Wörtern und Sätzen. Durch das Schreiben wird auch fast automatisch das Lesen gelernt. Danach stehen die Rechtschreibung, Reime bilden, Silben finden und Sprichwörter verstehen auf dem Lehrplan. Es wird also mit der Sprache gespielt. So untersuchen und reflektieren sie ihre Sprache.

Mathematik
Entweder hasst oder liebt man dieses Fach. In der ersten Klasse hat dieses Fach aber oft einen beliebten Status. Kinder lieben es zu forschen und zu experimentieren. Daher haben sie großes Interesse daran mathematische Zusammenhänge zu verstehen. Auf dem Lehrplan steht die einfache Geometrie, Maßeinheiten, den Umgang mit den Zahlen des Zahlenraums von 0 bis 20, und Kopfrechnen mit Addition (+) und Subtraktion (-). Dadurch wird das Denk- und räumliche Vorstellungsvermögen gefördert und sie lernen Probleme besser zu strukturieren und zu lösen. Dieses Fach wird auch spielerisch begleitet und experimentell mit den Kindern erforscht.

Religion und Ethik
Die Klassen werden meist in zwei bis drei Gebiete aufgeteilt. In der Schulanmeldung kreuzt man dann meist entweder katholisch, evangelisch oder Ethik an. Im Unterrichtsfach Ethik lernen die Kinder etwas über gesellschaftliches Handeln, Normen, Werte und philosophieren mit der Lehrkraft. In manchen Schulen werden auch noch weitere Religionen angeboten, die genutzt werden dürfen.

Heimat und Sachunterricht
Im Fach Heimat- und Sachunterricht lernen die Kinder ihre Umwelt näher kennen und experimentieren wissenschaftlich miteinander. Es werden auch biologische Erkenntnisse gewonnen, durch die die Kinder ihre Umwelt verstehen lernen. Der sogenannte Klassenrat findet in diesem Fachbereich oftmals Platz. Dort werden Themen besprochen, die die Klasse betreffen, organisatorische Punkte geklärt und vom Wochenende und schönen Erlebnissen erzählt.

Musik
Durch Musik können wir Menschen uns ausdrücken. Die Kinder lernen die kulturellen Zusammenhänge und die Musiktheorie kennen, sammeln ästhetische Erfahrungen und testen Musikinstrumente aus. Gemeinsames Singen und Musizieren stärkt zudem die Klassengemeinschaft, wodurch die Kinder soziale Kompetenzen erwerben.

Kunst
Die Kinder malen nicht nur in diesem Fach, sondern lernen auch Bilder zu verstehen, unterschiedliche Techniken anzuwenden, Materialien auszutesten, durch sie zu kommunizieren, und ihrer Fantasie und Kreativität freien Lauf zu lassen. Oftmals wird dieser Fachbereich dann mit der Mathematik verknüpft, indem die Lehrkraft beim Themenbereich Geometrie durch Formenlehre im Fachbereich Kunst unterstützt. Auch der Fachbereich Deutsch kann durch künstlerische Darstellung unterstützt werde. Die Buchstaben kann man mit Knete nachformen, bunt ausmalen oder in den Sand schreiben.

Sport
Kinder haben immer sehr viel Energie. Die Pausen und der Sportunterricht sind also eine willkommene Abwechslung. Sie lernen ihre persönliche Leistungsfähigkeit besser kennen, zu entwickeln und einzuschätzen. Durch sportliche Aktivitäten wird auch die Leistung des Gehirns gesteigert, da sich viele Synapsen miteinander verknüpfen.

Englisch
Der Englischunterricht ist für viele Kinder die zweite Fremdsprache. Durch Spiele und Lieder wird das Interesse geweckt und die Motivation eine neue Sprache zu lernen gesteigert. Im Vordergrund stehen Themen des alltäglichen Lebens, wie Essen und Trinken, die eigene Familie, Gegenstände im Klassenzimmer, Hobbies, Personen, Körperteile und Tiere.

Und warum sind jetzt die ersten drei Monate so wichtig? Es geht um die sogenannte Erfolgsspirale. Diese startet durch die eigene Motivation der Kinder und wird durch den Stolz der Eltern und das Loben der Lehrkräfte gesteigert. Die Kinder entwickeln dadurch die Einstellung, dass sie alles schaffen können, wodurch sie hoch motiviert sind. Doch dann treten plötzlich auch Zeiten ein, in denen es nicht rund läuft und rosarot ist. Fehlermachen gehört nämlich zum Lernen einfach dazu. Dann sollte man, wie beim Laufen lernen, aufstehen und weiter machen! Doch die meisten Schüler lassen oft den Kopf hängen und geben sogar auf, da sie das Vertrauen in ihre Fähigkeiten verloren haben. Die wenigsten Kinder schaffen es aus Niederschlägen stärker heraus zu kommen. Dabei ist das kein Hexenwerk. Was dein Kind bei einer Niederlage braucht? Dich! Eltern, die ihre Kinder in solchen Phasen bewusst unterstützen, helfen ihrem Kind die Erfolgsspirale weiter und weiter nach oben zu kommen, sodass Schule Spaß machen kann. Selbst, wenn es nicht gut läuft. Wie du dein Kind genau unterstützen kannst, verrate ich dir jetzt:

  • Zeige Verständnis für die Unzufriedenheit deines Kindes.
  • Es braucht Bestätigung und Motivation.
  • Beobachtet, was und wie euer Kind am liebsten und besten lernt. Kann es vielleicht im Liegen oder Stehen besser arbeiten, als wenn es sitzt? Bei manchen Kindern trifft das tatsächlich zu.
  • Ermutigung und Zuwendung sind ebenfalls wichtig.
  • Lass deinem Kind so viel Zeit, wie es braucht, um sich an die Schule zu gewöhnen.
  • Das Selbstbewusstsein, durch Lob und kleine Erfolgserlebnisse, die auch außerhalb der schulischen Aktivitäten stattfinden können, stärken und aufbauen.
  • Legt gemeinsam Ziele und Zwischenziele fest und lobt euer Kind, wenn es diese erreicht habt oder führt ein Belohnungssystem ein.
  • Sei ein guter Zuhörer und stärkt die Eltern-Kind-Bindung.

Je höher die Erfolgsspirale geht, desto mehr Spaß wird euer Kind am Lernen und der Schule haben. Kinder sind von Natur aus Neugierig und wollen eigentlich immer alles ganz genau wissen. Das sollten sie nicht verlieren! Denn diese Eigenschaften sind wichtig für ihr gesamtes Leben und entscheiden über beruflichen Erfolg.

Das 1. Zeugnis
Das erste Schuljahr ist geschafft und das erste Zeugnis wird mit nach Hause gebracht. Ganz schön aufregend oder? Das 1. Zeugnis ist in Textform oder manchmal sogar in mündlicher Form, durch ein Zeugnisgespräch. Das ist sehr unterschiedlich. Auch bei der Textform gibt es Unterschiede. Während manch Lehrkräfte an das Kind selbst schreiben und eine Sprache wählen, die das Kind gut verstehen kann, formulieren andere ihre Sätze eher in einer gewählten Sprache und schreiben an die Eltern über ihr Kind. Letzteres ist nicht grade vorteilhaft, da es oftmals Missverständnisse gibt, die Sätze hart klingen können und das Kind sich überrannt fühlen kann. Die meisten Lehrkräfte, die das Zeugnis so formulieren, bekommen dies jedoch durch das Bundesland oder die Schulleitung vorgeschrieben. Bei aufkommenden Fragen sprecht ihr die zuständigen Lehrkräfte am besten direkt an. Der Inhalt der Zeugnisse ist meist positiv. Es wird jedoch nicht alles schön geredet und es kommen auch negative Eigenschaften oder Lernziele zur Sprache, an denen ihr arbeiten könnt. Beim Lesen dieser Zeugnisse könnt ihr herausfiltern, was euer Kind besonders interessiert und worin die Stärken und Schwächen liegen. Schlussfolgernd könnt ihr euer Kind dadurch optimal fördern. Ein Wechsel aus Stärken stärken und starke Schwächen zu schwachen Schwächen machen ist ein idealer Vorgang. Beim Schwächen schwächen ist es wichtig, dass euer Kind das Tempo angibt und ihr spielerisch vorgeht. Ich habe euch einmal mein eigenes Zeugnis aus der 1. Klasse, das war das Schuljahr 2004/2005, als Beispiel mitgebracht.

Marie ist eine freundliche und sehr zurückhaltende Schülerin. Sie ist in den letzten Monaten viel selbstsicherer geworden und knüpft langsam Kontakte zu ihren Mitschülern. Sie sucht aber noch immer bei Konflikten mit anderen Kindern die Hilfe und Unterstützung der Lehrkraft und ist noch nicht in der Lage diese alleine zu lösen. Hier sollte sie mehr Selbstbewusstsein entwickeln. An Regeln und Absprachen hält sich Marie sehr zuverlässig. Bei Gemeinschaftsarbeiten geht sie sehr zögernd auf die Klassenkameraden zu und arbeitet am liebsten alleine oder mit einem Kind zusammen. Nach jedem Arbeitsschritt sucht sie die Bestätigung ihrer Leistungen durch die Lehrkraft, bevor sie sich wieder ihrer Arbeit zuwendet. Hier sollte sie mehr Zutrauen zu ihren guten Leistungen entwickeln. Marie zeigt sich am dargebotenen Lernstoff interessiert, wobei ihre zurückhaltende Art oft Ermunterung zur mündlichen Mitarbeit bedarf. Ihre schriftlichen Arbeiten führt sie sehr ordentlich und gewissenhaft aus, was zu einem schönen Gesamteindruck ihrer Hefte und Arbeitsblätter führt. Ihr Arbeitstempo muss sie noch steigern. Marie kann fremde Texte sicher und sinnerfassend lesen. Beim Vorlesen sollte sie sich trauen, langsamer und vor allem laut vorzulesen. Das Erlernen der Schriftsprache bereitet ihr viel Freude. Abschriften sind meist fehlerfrei und das Schreiben von Geschichten gelingt ihr immer besser. Diktierte Wörter und Sätze schreibt sie fehlerfrei. Den Zahlenraum bis zwanzig hat sie erschlossen, die Additionsaufgaben, auch mit Zehnerübergang, gelingen ihr gut. Die Subtraktion benötigt noch etwas Übung. Im Gesprächskreis des Sachunterrichtes beteiligt sie sich aus eigenem Antrieb selten, sie sucht lieber das Einzelgespräch und kann dann sehr lebendig erzählen. Die musisch-künstlerischen Fächer bereiten ihr viel Freude und ihre Bilder sind sehr farbenfroh. Bei der Bewegung im Sportunterricht beweist sie ein gutes Körpergefühl und hat viel Erfolg. Marie Elise zeigt sich interessiert am Religionsunterricht.

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