Geburtsbericht

Wir haben Montag, den 01.07.2019 und es ist der errechnete Geburtstermin von unserem Sohn. Ich sitze mit meiner Mama bei unserem letzten Termin bei der Frauenärztin. Das CTG läuft super, doch auf dem Ultraschall ist plötzlich etwas zu sehen, das den Verlauf der nächsten Tage ändert. In der Fruchtblase ist zu wenig Fruchtwasser und die Plazenta ist schon sehr gealtert. Wir werden in das Krankenhaus geschickt, bei dem ich mich zur Geburt angemeldet habe. Ich rufe Philip an und erzähle ihm, dass ich zur Kontrolle in die Klinik muss. Klar ist er etwas aufgeregt. Er ist auf der Arbeit und bekommt eine solche Nachricht. Als die Hebamme, die meine Anmeldung mit mir erneut ausfüllen muss, weil meine Akte verloren gegangen ist, sagt, dass das etwas ganz häufiges ist, sind wir schon etwas beruhigter. Ich soll zur Beobachtung in der Klinik bleiben und am Nachmittag erneut zur Kontrolle untersucht werden. Wie sich bei dieser Kontrolluntersuchung dann herausstellt, wird die Geburt morgen früh eingeleitet. Philip nimmt sich einen Tag Urlaub, um dabei zu sein.

Es ist Dienstag, der 02.07.2019. Am Morgen, um genau zu sein um 9 Uhr, bekomme ich die erste Tablette zur Einleitung der Geburt. Das CTG überwacht dabei, ob es bereits ein paar Wehen gibt. Ich spüre von den aufgezeichneten Wehen allerdings nichts. Am Nachmittag bekomme ich dann zwei Tabletten und das CTG zeichnet erneut Wehen auf, die ich wieder nicht spüre. Die Hebammen und die Ärztin vermuten deshalb, dass Sinas wohl morgen am Mittag kommen wird. Philip fährt deshalb nach Hause. Um 0 Uhr werde ich nochmals am CTG angeschlossen. Die Wehen sind im fünf Minuten Abstand. Ich soll allerdings nochmal auf mein Zimmer und etwas schlafen. Auf dem Weg zur Station, auf der sich mein Zimmer befindet, spüre ich plötzlich die erste Wehe. Ich bin allein. Im Flur der Station begegne ich einer Krankenschwester, die mir zeigt, dass ich mich an der Stange an der Wand festhalten kann, um die Wehen besser zu veratmen. Das war nun schon die dritte Wehe auf dem Weg zum Zimmer.

Nun ist es ja schon der 03.07.2019 und ich bin im Zimmer angekommen. Dort liegt meine Zimmerkameradin im Bett. Sie hat bereits ihr Baby seit dem 30.06.2019 und wird vermutlich morgen entlassen. Sie hört wie ich die Wehen veratme und wundert sich mit mir zusammen, dass ich bei einem Wehenabstand von einer Minute noch auf meinem Zimmer warten soll. An Schlaf ist dabei wirklich nicht zu denken. Als ich klingel kommt eine Krankenschwester herein, wahrend ich eine Wehe veratme. „Ich muss auch noch wo anders hin. Reden sie jetzt mal mit mir?!“, fragt sie mich sehr bestimmt. Ich versuche zu antworten, doch die Wehe ist zu stark. Als ich fertig bin frage ich sie, ob ich in den Kreißsaal gehen soll, da meine Abstände bei einer Minute sind. Darauf antwortet sie mit: „Ja hier können Sie ihr Kind nicht bekommen. Das müssen sie schon selber wissen. Ich bin für Frauen zuständig, die bereits Kinder haben und nicht für welche, die noch gebären müssen.“ Diese Antwort irritiert mich sehr. Ich lass es jedoch so stehen und sie verlässt das Zimmer. Zum Glück bietet meine Zimmerkameradin mir an, mich in den Kreißsaal zu bringen. Dafür bin ich ihr sehr dankbar, da ich auf dem Weg nun jemanden zum Festhalten habe. Puh! Inzwischen haben wir 0:53 (Uhrzeit nachgetragen und von der Anrufliste abgeleitet) und ich rufe Philip vor dem Kreißsaal an, dass er sich auf den Weg machen kann. Doch die Hebamme schickt mich zurück auf das Zimmer, als sie den Muttermund mit 1,5cm gemessen hat. Auf der Station frage ich nach, ob Philip mit auf das Zimmer kann. Das war die Idee meiner Zimmerkameradin. Ich tat ihr wohl sehr leid. Doch die Krankenschwester war ganz anderer Meinung. Er hat laut ihr hier nichts zu suchen und soll wieder nach Hause. Ich rufe Philip an. Sowohl er, als auch ich sind sauer und enttäuscht vom bisherigen Verlauf. Ich versuche mich nur auf die Wehen zu konzentrieren. Auf Anraten von meiner Zimmerkameradin gehen wir wieder zum Kreißsaal zurück, als wir ungefähr 1:15 haben. Dort bringt mich die Hebamme in das Wehenzimmer. Die Geburtszimmer sind alle belegt. Es gibt bereits vier Geburten und ich wäre wohl erst am Mittag dran. Das CTG zeichnet die Wehen wieder auf und ich habe nun das Gefühl auf die Toilette zu müssen. Ich klingel und die Hebamme begleitet mich dabei. Philip soll ich immernoch nicht anrufen. Er soll schlafen um am Mittag fit zu sein. Auf der Toilette kommt allerdings nichts. Ich bitte die Hebamme darum den Muttermund zu messen. Sie erklärt sich dazu bereit und ist aber sichtlich davon überzeugt, dass ich nunmal eine typische Erstgebärende bin, die unsicher ist und sozusagen einfach keine Ahnung hat. Beim Messen schaut sie mich dann allerdings sehr verständnisvoll an und sagt mir, dass ich Philip nun anrufen soll, damit er losfährt, da der Muttermund nun bei 9cm liegt. Endlich werde ich ernst genommen. Da jedoch die anderen vier Geburten auch betreut werden müssen, verlässt mich die Hebamme wieder. Ich bin alleine und atme Wehe für Wehe ohne Begleitung weg. Ich beginne zu beten. Jesus wird mir bestimmt helfen denke ich… Und tatsächlich! Es hilft. Die Wehen sind erträglicher. Ich fühle mich auch nicht mehr alleine, obwohl ich es eigentlich physisch gesehen noch bin. Die Hilfshebamme betritt das Zimmer und setzt sich an mein Bett. „Wir bauen nun das Wehenzimmer um. Die Geburt wird hier stattfinden.“, sagt sie. Die Hilfshebamme heißt Anna. Sie beobachtet mich wohl bei meiner nächsten Wehe. Ich atme und schließe die Augen. „Du machst das gut Marie!“, lobt sie mich, „Wenn du schreien möchtest darfst du das machen. Das tut manchen Frauen gut. Da hilft es Ha Ha Haaaaaa zu rufen.“ Ich nehme mir vor beim nächsten mal ihren Tipp in die Tat umzusetzen. Und tatsächlich es hilft mir sehr. Philip kommt ins Wehenzimmer. Ich bin darüber überglücklich. Anna macht ihre Arbeit zwar wirklich gut, doch Philip gibt mir einfach mit seiner puren Anwesenheit die Sicherheit, die ich nun brauche. Wehe für Wehe wird schreiend von mir und Anna ertragen und Philip gibt mir dabei etwas zu trinken und hält mein Bein fest. Ich schlafe wohl zwischen den Wehen immer wieder ein. Die Presswehen sind dann mein Lichtblick. Sie sind leichter für mich. Ich möchte nicht mehr schreien. Atmen finde ich dabei besser. Anna unterstützt mich in meinem Befinden. Die erste Hebamme, die ich an diesem Tag hatte, betritt das Zimmer. Sie möchte, dass ich im Vierfüßlerstand die Geburt beende. Ich möchte nicht und werde von ihr trotzdem dazu gedrängt. Es wäre angeblich besser für das Kind. Doch Sinas ist zum Glück anderer Meinung. Er ist meiner Meinung. Er scheint sich zurück zu schieben und ich darf mich wieder auf den Rücken legen. Die Hebamme geht und Anna soll Handtücher holen und das Zimmer für die Geburt vorbereiten. Philip und ich sind allein und wir veratmen die Wehen. Anna kommt zurück und sieht den Kopf. Die Haare werden blond. Sinas wird ein blondes Baby. Wehe für Wehe rutscht er tiefer und bald ist der Kopf fast draußen. Anna ruft nach einer Hebamme. Es ist Schichtwechsel und ich lerne dadurch eine neue Ärztin und Hebamme kennen. Nun ist das Zimmer voll. Der Kopf ist draußen. Die Wehe stoppt. Anna redet mir gut zu und ich sehe den Kopf. Tatsächlich. Blonde Haare. Bei der nächsten Wehe schiebt die Hebamme von oben mit. Das erleichtert mir die Arbeit. Sinas ist draußen! Er wird mir auf die Brust gelegt. Er muss kurz niesen. Ich dachte immer, dass alle Babys weinen nach der Geburt. Doch das scheint wohl ein Mythos zu sein. Ich habe mich sofort in Sinas verliebt. Mein kleiner Schmetterling ist ausgeflogen. Vom Bauch direkt in mein Herz. Nun wird auf die Nachgeburt gewartet. Ich schaue Sinas dabei an und lerne ihn kennen. Philip steht bei uns und ist den Tränen nahe. Sinas sucht nach meiner Brust, findet sie und trinkt. In diesem Moment presse ich ein letztes mal und die Plazenta ist draußen. Wir bekommen gratuliert und ich werde genäht. Alle sind begeistert, dass Sinas bereits trinkt. Ich werde noch genäht, anschließend in mein Bett, das in den Flur geschoben wurde, begleitet und in ein Geburtszimmer geschoben, um dort auf eine Ärztin zu warten. Es ist die nette Assistenzärztin, die mich von Anfang an begleitet hat. Sie ist sehr erstaunt darüber, dass Sinas bereits da ist, da sie gehört hat, dass er wohl erst am Mittag kommen sollte und sie bei der Geburt dabei sein darf. Naja immerhin darf sie die erste Untersuchung machen. Leider steht Anna nicht auf dem Zettel drauf. Doch sie wird für uns immer die Hebamme sein, die unsere Geburt begleitet hat. Danke!

Fazit

Ich möchte allen Mamas und auch Papas da draußen folgenden Rat geben: vertraut auf euer Gefühl und kämpft darum, dass ihr die Geburt zusammen erleben könnt, wenn ihr es möchtet. Beim zweiten Kind werde ich Philip vom Anfang an dabei haben. Koste es, was es wolle. Ich lasse nie mehr zu, dass ich alleine gelassen werde.

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